Vereinszeitung: Wir über uns

Ausgabe 01, 1981

Unser Theaterverein -Gestern und Heute eine
Betrachtung in Fortsetzungen von Alois
 Breuer

Theater, Theater, so heißt das große Spiel; ein Schlager!
Theater am Arbeitsplatz, Theater mit den Kindern, Theater
mit den Eltern, Theater jeden Tag und überall.
Und dann auch noch Theater als Dorfverein. Ist das des
Theaters nicht bald zuviel in der heutigen Zeit?
Überall stürzen und stürmen Probleme des täglichen Lebens
über uns herein. Die Hektik der Zeit droht uns zu ersticken
und zu zerdrücken.
Und dann auch noch Theater in der Freizeit?
Wir sind gesättigt und übersättigt mit Freizeitangeboten
und Unterhaltungsklamauk. Wir wissen fast nicht mehr,
wonach wir zuerst greifen sollen, um uns abzulenken, um uns
zu zerstreuen und unsere Freizeit sinnvoll zu gestalten.
Was will da ein dörflicher Theaterverein in dieser Reihe von Angeboten?
Hat er überhaupt noch seinen Platz und seinen Sinn in einer
Dorfgemeinschaft von Vereinen, deren Freizeitangebot für den
einzelnen Menschen fast zum Überangebot geworden ist:
Ich meine – JA.
Ein Verein, der durch jahrzehntelange Tradition zum bescheidenen
kulturellen Leben seines Dorfes beigetragen hat, der
sich immer wieder der jeweiligen Zeit
anpassend,
sein Spielgut
mit Überzeugung an den Mann gebracht hat, der vom Idealismus
und vom persönlichen Engagement
eines großen Teils
seiner Mitglieder lebt, ein solcher Verein hat seine Daseinsberechtigung
mehr denn je in unserer heutigen Zeit.
Sicher haben sich die Zeiten geändert; unser Theaterverein hat
vielleicht nicht mehr die Bedeutung, die er vor 25 oder sogar
vor 50 Jahren in unserem Dorf gehabt hat.
In Zeiten, in denen das Angebot an Unterhaltung nicht so groß
war wie heute, in Zeiten, in denen man sich mit einem wesentlich
härteren Leben auseinandersetzen mußte, in Zeiten in
denen man nicht so oberflächlich lebte, da hinterließ ein in
diese Zeiten paßendes Theaterstück ganz sicher einen tieferen
Eindruck auf seine Zuschauer, als wir ihn heute mit irgendeinem
ebenfalls gut gewählten Stücken erreichen können.

Wer erkannte zum Beispiel nach dem Kriege in einem Heimkehrerstück
nicht seinen eigenen Bruder oder Vater wieder?
Her erkannte nicht den tiefen Sinn eines religiösen Spiels?
Diese Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen.
Die Zeiten haben sich geändert, und mit ihnen auch unser
Theaterspiel. Und das ist gut so.
Es sind zum Teil andersartig gestellte Aufgaben, die ein
dörflicher Theaterverein heute zu erfüllen hat. Und damit
ändert sich automatisch auch sein Spiel, welches er dem
heutigen
Zuschauer anbietet.
Das heißt nicht, daß besinnliche oder religiöse Theaterstücke
nicht mehr in unsere Gegenwart paßen, im Gegenteil!
Ganz
sicher werden wir in einem der nächsten Jahre solche
Stücke wieder aufführen.
Aber auch wir als Theaterverein müssen uns der Gegenwart
anpaßen, müssen das bringen, was von unserem Zuschauer gewünscht
wird, müssen uns dem Geschmack und dem Werturteil
unserer Besucher unterwerfen.
Nun
läßt sich ja bekanntlich über Geschmack nicht streiten,
und nicht alles, was in unsere Zeit paßt, und was gerade
Mode ist, muß unbedingt richtig sein. Wie es aussieht, gehen
wir wieder ernsteren und nicht mehr gerade so leichtlebigen
Jahren entgegen.
Und damit sind automatisch die Aufgaben und Weichen gestellt,
deren Lösung wir anzustreben haben.

(Fortsetzung in der nächsten Ausgabe)

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Vereinszeitung
Wir über uns, Ausgabe 01